103 Teilnehmer/innen nutzen Vielfalt und Praxisorientierung beim Landesweiten Breitensportkongress: präventive Angebote im Breitensport standen im Mittelpunkt

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Am vergangenen Sonntag fand der Landesweite Breitensportkongress des Württembergischen Leichtathletik-Verbandes erstmals in seiner 19-jährigen Geschichte am Institut für Sportwissenschaft in Tübingen statt. Mehr als 100 Teilnehmer/innen aus den örtlichen Lauf-/Walkingtreffs und Vereinen hatten sich angemeldet und fühlten sich in den „neuen Räumlichkeiten“ sehr wohl.

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In seiner Begrüßung unterstrich der Verantwortliche für den Breitensport im WLV, Dieter Schneider, die Bedeutung des Breitensports im Verband. Die Förderung des Breitensports ist für den WLV aus vielerlei Gründen eine zentrale Aufgabe. Sportlich gebe es ohne die Breite keine Spitze und gesamtgesellschaftlich seien gesundheitsbewusste Bewegung, Verbesserung der Fitness, Erhaltung körperlicher Mobilität, aktive Freizeitgestaltung und soziale Kontakte den Menschen wichtig. Für all das stehe der Breitensport. Er biete Raum für Bewegung und Begegnung und verbinde Menschen. Deshalb seien niederschwellige Angebote gerade im Bereiche Laufen und Walking auch bestens geeignet, Menschen zu integrieren. Die Vereine und Treffs könnten über solche Sportangebote angesichts der großen Flüchtlingszahl wichtige Beiträge zur Integration leisten.

Der Leiter des Sportinstituts der Universität Tübingen, Prof. Dr. Ansgar Thiel, nannte in seinem Grußwort neben der Migrationsbewegung die Demografische Entwicklung und die Technologisierung als größte Herausforderungen und zugleich Chancen für den Breitensport. Thiel sieht den Breitensport als die größte Ressource, die unsere Gesellschaft zur Bewältigung der aktuellen und künftigen gesellschaftlichen Herausforderungen zu bieten hat. Er begrüße es sehr, dass sich der WLV neben der Olympischen Leichtathletik und der Nachwuchsförderung auch so stark um den Breitensport und dessen Weiterentwicklung kümmere.

Frau Dr. Ute Streicher von der AOK Neckar-Alb stellte die nachhaltige Wirkung der breitensportlichen Bewegungsangebote in den Vereinen und Treffs zur Erhaltung der Gesundheit heraus, verbunden mit einem Dank an alle in diesem Bereich Engagierten.

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„Welcher Sport für wen?“ - das war die Frage, die Prof. Dr. Gorden Sudeck vom Institut für Sportwissenschaft im Hauptvortrag aufwarf und Antworten anhand der Motive für sportliche Aktivitäten ableitete. Alter und Geschlecht sind zwar erste Anhaltspunkt für die Motivation zum Sport treiben, so z.B. bei der Generation über 55 Jahren das Thema Gesundheit. Aber die individuellen, in der Person liegende Motive sind höchst unterschiedlich. Sudeck hat aus seinen Forschungen „motivbasierte Sporttypen“ entwickelt, so z.B. „Gesundheits- und Figurorientierte“, „figurorientierte Stressregulierer (innen)“, „erholungssuchende Fitnessorientierte“ usw. Für die Vereine und Treffs sind die Schlussfolgerungen daraus entscheidend: Nämlich ihre Sportangebote auf die individuellen Motive und Ziele auszurichten und maßzuschneidern. Man müsse sich darüber klar werden, welche Motive durch das Sportangebot angesprochen werden sollen, wie durch Inszenierung der Sportangebote weitere Motive angesprochen werden, oder wie maßgeschneiderte Sportangebote entwickelt und inszeniert werden können. Nach dieser Präsentation von Prof. Sudeck gehören Einheits-Sportangebote für Alle der Vergangenheit an. Interessant, attraktiv und erfolgversprechend sind Angebote, die differenziert die unterschiedlichen Motive aufgreifen und in der Darstellung und Durchführung berücksichtigen. Motive und Angebote sollten passgenau zueinander sein.

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Wer übrigens wissen möchte, was er für ein Sporttyp ist, welche Motive und Ziele im Hinblick auf Freizeit- und Gesundheitssport wichtig für ihn sind, kann unter http://www.zssw.unibe.ch/befragungen/sportberatung/sporttyp.htm einen Selbstcheck machen.

Im Anschluss an diesen interessanten Hauptvortrag nutzten die Teilnehmer in 24 unterschiedlichen Workshops die Möglichkeit, sich entsprechend ihrer persönlichen Interessen weiterzubilden. Die Angebotspalette umfasste zahlreiche interessante Themen in Theorie und Praxis:

Beim Workshop „Ernährungsmythen im Sport“ erläuterte die AOK-Ernährungsexpertin Dr. Ute Streicher, das es grundsätzlich keine gesunde und ungesunde Ernährung gibt. Auch die Ernährung müsse wie die Sportangebote individuell auf die Person zugeschnitten werden.
Weitere Theoriethemen befassten sich mit Muskelverletzungen im Sport, mit Maßnahmen zur Ersten Hilfe in Sportgruppen, mit Erfahrungen von und mit Behinderten im Sport oder mit dem Thema „Sport und Diabetes“.

Sehr gut besucht waren erwartungsgemäß die Praxis-Workshops: „Beweglichkeitstraining – wie und warum?“ war das gefragteste Thema bei den Kongressteilnehmern. Der Referent Werner Kolb demonstrierte in Theorie und Praxis die neuesten Erkenntnisse zur Verbesserung der Beweglichkeit und brachte den Teilnehmer/innen näher, dass es „das richtige Beweglichkeitstraining“ grundsätzlich nicht gibt. Es sind immer individuelle Parameter zu berücksichtigen, um das Training effektiv zu gestalten.

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Der Workshop „Koordinationstraining beim Laufen“ von Robert Manz brachte so manchen Teilnehmer an seine Grenzen. Ein harmonisches Zusammenspiel unterschiedlicher Gliedmaßen und Muskeln ist Grundvoraussetzung für einen guten Laufstil. Aus diesem Grund gehören zu einem regelmäßigen Ausdauertraining auch Übungen zur Laufkoordination sowie zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur.

Für das Üben und Trainieren mit Kindern, bzw. Sporteinsteigern gab es ebenfalls mehrere Angebote: Den Tennisring als Spiel- und Übungsgerät für abwechslungsreiche Übungsstunden brachte Carl-Michael Bundschuh vom Motorikzentrum St. Loreto in Schwäbisch Gmünd den interessierten Teilnehmern näher. Vielen war das Gerät gar nicht bekannt. Fred Eberle und Eric Schmid sorgten auf bewährte Art und Weise für neue Impulse zum geraden und gedrehten Wurf sowie zum Laufen mit Kindern und die Grundschullehrerin, Simone Eidel vermittelte Übungsbausteine zur Förderung der exekutiven Funktionen in der Kinderleichtathletik, die durch eine Verbindung von Bewegung mit kognitiven Aufgabenstellungen gekennzeichnet ist.

Einen Workshop der ganz besonderen Art erlebten 12 Teilnehmer/innen mit Referent Sebastian Stumpf bei „Fit4Drums“. Die Kombination von rhythmischen Trommelschlägen, Bewegung und motivierender Musik ergaben eine außergewöhnliche Choreographie, strahlende Gesichter und viele neue Ideen für die Übungsstunden zuhause.

Das einstimmige Resümee aller Beteiligten:
Ein gelungener Kongress mit der richtigen Mischung aus interessanten wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Gestaltung zeitgemäßer Angebot im Breitensport und vielfältigen praktischen Workshops für die im Breitensport vor Ort Engagierten. Die Infrastruktur im Sportinstitut Tübingen hat für diesen Kongress genau gepasst und war die Basis für eine ausgesprochen gute Atmosphäre. Inhalte und Organisation fanden große Zustimmung und Anerkennung.

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