Der Erfolg als Familienangelegenheit

Der 17-jährige Weitspringer Gianni Seeger wird von seinem Vater trainiert

Mit einer Leistungsexplosion hat sich Gianni Seeger vom TSV Gomaringen in der abgelaufenen Saison in der erweiterten Weltspitze der Nachwuchs-Weitspringer etabliert. Auch mithilfe seines Trainers, der zugleich sein Vater ist.

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Gomaringen. Fast hätte die Leichtathletik in der Region ein großes Talent an den Fußball verloren: Bis vor zwei Jahren nämlich kickte Gianni Seeger noch in der ersten C-Jugend des SSV Reutlingen. Und hatte auch gute Chancen, in die nächste Jahrgangsstufe übernommen zu werden.
Nur: Er wollte nicht. „Ich habe irgendwann festgestellt, dass Fußball nicht wirklich mein Ding ist“, sagt Seeger. Dem pflichtet sein Vater und Trainer Alexander Seeger bei: „Gianni ist vom Typ her eher Individualsportler.“ Beim Fußball sei ihm zwar seine Schnelligkeit auch zugute gekommen, die Zweikämpfe habe er aber meistens gemieden.
Letzter Akt einer anstrengenden Saison: Im August holte Gianni Seeger bei der U18-DM in Jena ... Letzter Akt einer anstrengenden Saison: Im August holte Gianni Seeger bei der U18-DM in Jena Silber.Archivbild: Görlitz

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Also wechselte Gianni die Sportart und fokussiert sich nun seit gut einem Jahr voll auf den Weitsprung – mit großem Erfolgen. Auch er selbst spricht mit Blick auf die vergangenen Monate von einer „Top-Saison“, die ihn selbst überraschte: Den Auftakt machte im vergangenen Winter die Silbermedaille bei den Deutschen U20-Hallenmeisterschaften – als damals 16-Jähriger! Mit seiner Weite von 7,22 Metern stellte er dabei außerdem ganz nebenbei den Gomaringer Vereinsrekord auf.

Dann im Juli der Sprung aufs internationale Parkett bei den U18-Weltmeisterschaften im kolumbianischen Cali, wo eine „richtig heftige“ Atmosphäre herrschte: „Das Publikum dort war wahnsinnig begeisterungsfähig, das würden wir uns in Deutschland auch so wünschen“, sagt Seeger. Vielleicht lag’s an den Rahmenbedingungen, dass er just in diesem Wettkampf nicht ganz an sein Maximum kam: Zweimal traf er das Brett nicht, im dritten Versuch landete er dann bei 7,16 Metern, was zu Platz 16 reichte. Mit seiner persönlichen Bestweite von 7,30 Metern, die er kurz vor der WM in Stuttgart aufgestellt hatte, wäre er in Kolumbien ins Finale gekommen. Vor einigen Wochen schloss Seeger im August die Saison mit dem zweiten Rang bei den deutschen U 18-Meisterschaften ab.

Entscheidend zu dieser Entwicklung beigetragen hat sein Vater Alexander
Seeger: Denn dieser betreut nicht nur als Bundestrainer die Juniorinnen des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV), er ist noch Vereinstrainer des TSV Gomaringen. Und coacht damit seinen eigenen Sohn. Natürlich sei das keine ganz normale Konstellation, geben beide unisono zu – vor allem nicht im Leistungssport. „Der Sohn reagiert immer ein wenig anders als die übrigen Athleten“, sagt Alexander Seeger: „Wenn mal was nicht funktioniert, wird Gianni schnell ungeduldig oder mir gegenüber auch mal motzig.“ Diese Unausgeglichenheit, sagt der Vater, würde er bei anderen Trainern wohl nicht ganz so offen ausleben. Die kleinen Zwistigkeiten seien aber direkt im Anschluss wieder vergessen. Vielleicht lässt der Vater auch aus eigener Erfahrung etwas Nachsicht walten: „Ich kenne das noch von meinem Vater, der war auch viele Jahre mein Trainer.“ Sohn Gianni jedenfalls wünscht sich keinen anderen Coach: „Ich fühle mich von meinem Vater sogar oft besser verstanden, weil er mich länger und besser kennt als andere Trainer.“

Training fast an jedem Wochentag

Die Zusammenarbeit soll auch in Zukunft weitere Erfolge bringen: Als Ziele setzt sich der 17-jährige Elftklässler weniger konkrete Weiten, sondern eher Teilnahmen an internationalen Wettkämpfen – was sich natürlich gegenseitig bedingt. Dick angestrichen im Kalender hat er sich dabei die U 20-Weltmeisterschaften im russischen Kasan nächstes Jahr.
Die Norm ist zwar noch nicht definitiv raus, Seeger geht aber von etwa
7,65 Metern aus. Klingt zunächst viel. Sollte seine persönliche
Leistungs- und Weitenentwicklung aber im gleichen Tempo weiter gehen wie zuletzt, erscheint eine Teilnahme gar nicht mehr so unrealistisch: „Vor einem halben Jahr hätte ich auch nicht gedacht, schon in diesem Sommer bei 7,30 Metern zu stehen.“ Auch Vater Alexander traut ihm viel zu:
„Gianni bringt alle Voraussetzungen mit, ist groß genug und schnellkräftig.“ Bei vielen Parametern sei er bereits jetzt so weit wie der amtierende deutsche Meister und LAV-Athlet Fabian Heinle mit 19 Jahren und könne daher eine ähnliche Entwicklung nehmen.

Dafür wird hart trainiert, fast jeden Tag in der Woche. „Es gibt noch einiges zu optimieren“, gibt sich Gianni Seeger selbstkritisch. Zuletzt wurde der Anlauf komplett umgekrempelt: Seeger startet inzwischen rund anderthalb Meter hinter dem eigentlichen Startpunkt mit einigen kleinen Auftaktschritten. „Dadurch bin ich schon im Tempo und muss nicht bei null anfangen, was alles viel flüssiger macht.“ Sein Anlauf sei inzwischen auch viel konstanter – dass er wie in Kolumbien in zwei von drei Versuchen das Brett nicht trifft, soll nicht mehr passieren. Als nächstes will er sich den Absprung vornehmen, Ziel ist ein kürzerer
Absprungschritt: „So kann die Hüfte besser beschleunigen und man kommt auf mehr Höhe und Weite.“

Tex: David Scheu/Tagblatt
Fotos: Leichtathletik Gomaringen


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