Nachruf zum Tode von Siegfried Kühnert

Bereits am 16. Mai verstarb der ehemalige WLV-Jugendwart und Vizepräsident, das Ostelsheimer Leichtathletikurgestein Siegfried Kühnert, er wäre am 1. Oktober 90 Jahre alt geworden. Seit letztem Herbst lebte er in einem Pflegeheim in Hamburg, wo seine Enkelin wohnt. Dort wird er im Friedwald neben seiner Gattin Ella die letzte Ruhestätte finden.

Siegfried Kühnert war viele Jahre im Württembergischen Leichtathletikverband als Schüler- und Jugendwart an vorderster Stelle gestanden. In seinem Sportkreis Calw arbeitete er lange Jahre als Vorsitzender des Leichtathletikausschusses und war bis zu seinem Tode Ehrenmitglied dieses Gremiums. Noch länger führte er den alten Bezirk Böblingen, der die Kreise Calw, Freudenstadt, Böblingen und Enz umfasste.

Am längsten war er jedoch in seinem Heimatverein VfL Ostelsheim Abteilungsleiter. Aus dem Osten Deutschlands vertrieben, fand Siegfried Kühnert in der Gäugemeinde ein neues Zuhause. Schon 1952 nahm er als Abteilungsleiter und Trainer die Geschicke der fünf Jahre zuvor wieder neugegründeten Leichtathletikabteilung in die Hand. Nach 47 Jahren übergab der Verstorbene 1999 sein Amt in jüngere Hände. Noch viele Jahre nahm er aktiv am Sportgeschehen teil und unterstütze seine Nachfolger mit Rat und Tat.

Unter Kühnerts Leitung begann die Blüte der Ostelsheimer Leichtathletik. Er organisierte Vergleichskämpfe und Trainingslager in vielen Teilen Europas. Die wichtigsten Stationen dieser unvergesslichen Begegnungen hießen Paris, Prag, Wien, Niesky bei Bautzen, aber auch Mühlacker, Vittel im Elsass, Ronneburg in Hessen und Brixen in Südtirol. Noch als Siebziger fuhr er einen Kleinbus voller Mädels nach Rimini. Dort fanden seine letzten Trainingslager statt.

Als Veranstalter hatte Siegfried Kühnert einen exzellenten Ruf. Besonders seine Schülersportfeste waren im ganzen Land beliebt. 1982 war es ihm und seinen Helfern gelungen, die neue Sportanlage mit 100 Meter Tartanbahn einzuweihen. In den 70er Jahren fanden in Ostelsheim auch Landesmeisterschaften im Wald- und Crosslauf statt. Leider verhinderten die fehlende Rundbahn und geeignete flache Laufstrecken, dass sich der VfL Ostelsheim als Ausrichter im Straßenlauf und auf langen Stadionstrecken einen Namen machen konnte.

Kühnert war unermüdlich im Beschaffen von Eigenmitteln und Sponsoren. So organisierte er zum Beispiel jahrelang Papiersammlungen, um den Etat für seine Jugendlichen zu finanzieren. Es gelang ihm immer wieder, engagierte und gut ausgebildete Trainer und Betreuer zu finden, so dass Ostelsheim Anlaufstelle für viele leichtathletikbegeisterte Kinder auch aus den Nachbargemeinden wurde.

Seine größten sportlichen Erfolge feierte Kühnert mit seinen Sprintern, die es bis zur Teilnahme an deutschen Juniorenmeisterschaften und Goldmedaillen auf Landesebene brachten. Als Vertreter der Bahnleichtathletik stand er anfangs dem Langstreckenlauf auf der Straße skeptisch gegenüber. Im Laufe der Jahre wurde er aber zu einem glühenden Verehrer seiner Seniorenläufer, die bis heute etwa 70 Medaillen auf deutscher Ebene holten, darunter gut 25 Goldmedaillen.

Neben allen Auszeichnungen, die Siegfried Kühnert für sein jahrzehntelanges Wirken vom Deutschen Leichtathletikverband und vom Deutschen Sportbund erhalten hat, ragen die Bundesverdienstmedaille (1993) und der DLV-Ehrenschild (1991) besonders heraus.

Für seine zeitaufwändigen Tätigkeiten fand Siegfried Kühnert bei seiner Ehefrau Ella immer großes Verständnis. Ihr Tod vor 18 Monaten bedeutete für den immer optimistischen Leichtathletikpionier eine gewaltige Zäsur. Anfangs konnte er sich noch selbst versorgen, dann musste der Umzug nach Hamburg erfolgen. Die Leichtathleten im Lande, besonders im Kreis Calw und in Ostelsheim werden ihren Siegfried Kühnert immer in bester Erinnerung behalten.

G. Krehl

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