Lauftreff und Nikolauslauf des Post SV Tübingen kommen ins Schwabenalter

"Trimm-Trab, das neue Laufen ohne zu schnaufen ist nur etwas schneller als Spazierengehen, aber viel gemütlicher als das Tempo eines Langstreckenläufers". So und so ähnlich warb der damalige Deutsche Sportbund vor 40 Jahren für die zu uns aus Amerika herübergeschwappte Joggingwelle.
Es war der Anfang einer breitensportlichen Aktion, deren Ausmaß und Ausdauer zur damaligen Zeit sicher nicht abgesehen werden konnte. Es war die Geburtsstunde des Gesundheitssports allgemein, in Tübingen stark unterstützt durch die AOK. Der Post-SV war von der Idee überzeugt und als einer der ersten Vereine im Bereich des Württembergischen Landessportbundes bzw. Leichtathletikverbands von Anfang an dabei.
Am 19. April 1975 gründete er unter der Schirmherrschaft des damaligen OB Dr. Eugen Schmid den 1. Tübinger Lauftreff. Seither hat sich aus dem zarten Pflänzchen ein Edelgewächs entwickelt, das aus dem Tübinger Sportgeschehen nicht mehr wegzudenken ist. In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass in 40 Jahren nicht ein Lauftreff ausgefallen ist, nicht mal als im Dezember 1999 der Wirbelsturm "Lothar" auch den Schönbuch nicht verschonte.

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Hochgerechnet sind dies 3.200 Lauftreffs mit rd. 200.000 Teilnehmern.
• Viel Wasser ist inzwischen den Neckar hinuntergeflossen; die Tübinger Postsportler haben ihren Standort oben auf dem Sand beibehalten und ausgebaut. Der Lauftreff ist nach wie vor kostenlos und der ganzen Bevölkerung zugänglich. viele jüngere und ältere Laufbegeisterte haben auf diese Art unseren Verein entdeckt und sind inzwischen aktive Mitglieder geworden. Viel wurde investiert, vor allem im personellen Bereich. Über 50 LauftreffleiterInnen haben sich im Laufe der Zeit in sich wiederholenden Lehrgängen aus- und fortbilden lassen, um Samstag für Samstag, später auch am Mittwoch eine fachlich qualifizierte Betreuung zu garantieren. Der Schwerpunkt des Angebots ist geblieben, nämlich möglichst alle Bevölkerungs- und Altersschichten zu erreichen und ihnen die Freude am adäquaten Bewegen in der Natur näherzubringen sowie den Kontakt mit Gleichgesinnten, nämlich fit zu bleiben, zu pflegen.
Der soziale wie der umweltfreundliche Aspekt ist berücksichtigt, weil die nach individuellem Leistungsvermögen unterschiedlich angelegten Strecken eine gemeinsame An- und Rückfahrt (Familien, Nachbarschaften) bzw. Fahrgemeinschaften ermöglichen.
Auch Neuem verschließt man sich nicht in unserem Verein. Seit ca. 10 Jahren hat sich um den Lauftreff zeitgleich ein Nordic-walking -Treff aufgebaut, der vor allen von Älteren gut besucht ist und inzwischen ebenso eine feste Institution geworden ist.
Als Motivation und Stimulation hat die AOK den "Trimm-Taler" und der Deutsche Leichtathletik -Verband das" DLV-Laufabzeichen" eingeführt. Letzteres -eine urkundliche Auszeichnung über 15, 30-und 60-minütiges Laufen sowie über die Halbmarathon-Distanz- hat in unserem Verein zur Gründung des Nikolauslaufs geführt. Schon bald nach Gründung des Lauftreffs war der Eifer mancher Läufer nicht mehr zu bremsen. Man wollte es wissen: am 5. Dezember 1976 wurde unter wirklich einfachsten organisatorischen Verhältnissen der 1. Tübinger Nikolauslauf über die Halbmarathon-Distanz gestartet. 24 Läufer (nur Männer) kamen damals mit für Freizeitsportler recht guten Zeiten ins Ziel. Der Appetit war geweckt! Man beschloss, künftig zur Vorbereitung am Buß- und Bettag (damals noch Feiertag) einen Paarlauf anzubieten, um LaufnovizInnen an eine solch lange Strecke zu gewöhnen und vor allem auch das weibliche Geschlecht für diese Art des Laufens zu begeistern. Jeder geübte Läufer war verpflichtet, eine(n) interessierten Neuling vom Start bis ins Ziel zu begleiten. Der Erfolg gab uns recht und ist sicherlich weit und breit einzigartig. Inzwischen ist aus dem Paarlauf ein Probelauf geworden, der jeweils drei Wochen vor dem Hauptlauf stattfindet. Es wird nicht mehr als Einzelpaar gestartet, sondern in von erfahrenen LäuferInnen geleiteten Zeitgruppen. Die Rekordbeteiligung von über 800 Teilnehmern im vergangenen Jahr spricht für sich. Entsprechend war auch die Entwicklung des inzwischen zum LBS-Nikolauslauf avancierten Tübinger Halbmarathon in vielerlei Hinsicht. Die Jahr für Jahr steigenden Teilnehmerzahlen erforderten einen immer höheren Organisationsaufwand; Erwartungen waren geweckt und wollten erfüllt sein, getreu unserem vorgegeben Credo: "Qualität steht vor allem anderen", d.h. ein guter Service, soziale Startgebühren und die angemessene Würdigung der erzielten Leistungen. Dazu wesentlich beigetragen haben seit Mitte der 90er Jahre die Landesbausparkasse als Hauptsponsor, genauso wie die Firma DEE, die Stadtwerke Tübingen, die Kreissparkasse Tübingen und viele andere Unternehmen und Geschäfte aus und um Tübingen.

Während die Gründer bis zum 25. Lauf weitgehend mit herkömmlichen Möglichkeiten zurecht kommen mußten z.B.Zeitnahme mit der Stoppuhr, Erstellen der Ergebnislisten mit Schreibmaschine, Versorgung der Läufer am Ziel und auf der Strecke mit manchmal unter abenteuerlichen Voraussetzungen zubereitetem Tee, Kuchenspenden und enorm hoher, auch körperlicher Einsatz unserer Mitglieder und Helfer…. und, und, und, war man inzwischen im Kommunikations- und Marketingzeitalter angekommen und eine junge, frische Crew übernahm vor 15 Jahren , also im Jahr der Jahrtausendwende, das Kommando unter Einbeziehung der reichen Erfahrung der Altvorderen, die zum großen Teil auch heute noch aktiv mit dabei sind. Was aus dem Nikolauslauf inzwischen geworden ist, zeigen die Teilnehmerzahlen: Rekordergebnis beim letzten Lauf: über 3000 Anmeldungen, 2626 Finisher. Dabei hat die Veranstaltung stets ihren breitensportlichen Charakter beibehalten; will heißen, dass noch nie Startgelder für besondere "Zugpferde" gezahlt wurden. Aufgewertet wurde der Lauf allerdings durch die Teilnahme bekannter und leistungsstarker Athleten, darunter die drei aus unserer Region stammenden Olympioniken Willi Maier aus Genkingen, 3000m Hindernis 1972 und 1976, der Olympiasieger Dieter Baumann, der 2005 den heute noch gültigen Streckenrekord in 1:07:15 St. aufstellte sowie unser Mitglied Arne Gabius, Vize-Europameister über 5000m im Jahre 2012, Läufer des Jahres 2014 und derzeit aktuellster Marathonläufer mit einer Zeit von 2:09,13 Std.
Immer größeren Zuspruch findet unser Lauf auch bei den Frauen. Aus ein- und zweistelligen Teilnehmerzahlen der Anfangsjahre sind es 650 im vergangenen Jahr geworden. Monika Bösing, später viele Jahre Mitglied im NLL- Organisationsteam, lief 1984 erstmals unter 1.30 Std. Den Streckenrekord in 1:21.21 hält Stefanie Beckmann (LG Leinfelden-Echterdingen) seit dem Jahre 2002.
Welche Arbeit und welcher Aufwand hinter der inzwischen weit über die Tübinger Grenzen hinaus bekannten Großveranstaltung steht, zeigt sich darin, dass beim Letzten Lauf über 200 Helfer im Einsatz waren und ein jährlich mindestens 4mal tagendes mit bis zu 25 Personen besetztes Organisationsteam eingerichtet werden mußte, denn "nach dem Lauf ist bekanntlich vor dem Lauf".

In diesem Bericht wurde darauf verzichtet, einzelne Verantwortliche namentlich zu nennen. Hinter einem solchen Erfolg stehen viele Namen. Wir alle können stolz darauf sein und hoffen, dass wir auch in den vor uns liegenden Jahren sowohl beim Lauf- und Nordic-Walking-Treff wie auch beim Nikolauslauf im Sinne unseres Vereinslogos "Gemeinsam aktiv" trotz vieler Arbeit mit Freude und Spaß unser Werk fortsetzen können. (Gert Messner)


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