42 Jahre Nikolauslehrgang: ein Erfolgsmodell

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Initiator des Nikolauslehrgangs Fred Eberle (Foto: Alfred Pradel)



Es begann vor 42 Jahren mit einer Fortbildung für wenige Übungsleiter. Längst ist der Nikolaus-Lehrgang landes- und bundesweit anerkannt und dank der Mischung aus bekannten Sportlern und Trainern sowie neuen Inhalten stets voll besetzt. Initiator und WLV/DLV Lehrwart Fred Eberle spricht im Interview mit Alexander Haag über das Erfolgsrezept und Wünsche.

Herr Eberle, der 42. Nikolaus-Lehrgang war wieder ausgebucht Wie erklären Sie sich den alljährlichen Ansturm?
Eberle: Schwer zu sagen. Ich denke, es ist die Balance zwischen den bekannten Personen und neuen Impulsen aus der Trainingslehre und der Sportpraxis. In diesem Jahr war der ehemalige Weltklassezehnkämpfer Siggi Wentz da, zuvor auch schon Olympiasieger, Landes- und Bundestrainer.
Ja, nach all den Jahren entstehen natürlich Verbindungen. Es sind einerseits die früheren bekannten Athleten und Trainer, andererseits sind es die neuen inhaltlichen Elemente, die der Nikolaus-Lehrgang immer bietet. Es gelingt immer wieder, Neues zu entwickeln und damit die Neugierde bei den Übungsleitern, Trainern und Sportlehrern zu wecken.

Erinnern Sie sich noch an den ersten Nikolaus-Lehrgang?
Eberle: Ja, natürlich. Das war ein reiner Vereinslehrgang mit zehn, zwölf Vereinsmitarbeitern und Übungsleitern, bei dem wir uns einen Videofilm über die Olympischen Spiele von 1972 angeschaut und analysiert haben. Über die Kreis- und Bezirkslehrgänge wurde es in den Jahren zu einem landes- und bundesweiten Lehrgang.

Gab es Zeiten, in denen Sie das Gefühl hatten, dass das Interesse nachlässt?
Eberle: Ich hatte mal das Gefühl, dass eine Sättigung da ist. Aber durch die sich neu orientierte Kinderleichtathletik erfuhr der Nikolaus-Lehrgang wieder einen Schub. Die Leichtathletik als Basissportart mit ihren 47 Disziplinen wird überall gebraucht. Jede Sportart greift auf die leichtathletischen Grundformen Laufen, Springen und Werfen zurück. Jeder Sportler muss laufen können, fast alles geht übers Läuferische. Die Spielweise eines Buffy Ettmayer in den 70er Jahren geht in den modernen Strukturen nicht mehr.

Das merken zunehmend auch die Schulen.
Eberle: Stimmt, die Leichtathletik ist auch eminent wichtig und grundlegend für den Schulsport, so zum Beispiel für die Ganztagesförderung im Kooperationsfeld Schule und Verein. Grundsätzlich darf also nicht mehr zwischen Gesundheits-, Freizeit- und Leistungssport, zwischen Schul- und Vereinssport sortiert werden. Die Grenzen sind fließend. Inzwischen geht es um die Übergänge aus der Kinderleichtathletik heraus.

Die Brücke von der Kinder- zur Jugendleichtathletik war ein Thema beim 42. Nikolaus-Lehrgang.
Eberle: Genau. Wie kommt man durch Kontinuität in die nächsten Stufen. Von der Bewegungsförderung zum Grundlagentraining. Von mir stammt der Begriff „Wiederhole ohne zu wiederholen“. Dabei ist gemeint, dass sich die Leichtathletik immer wieder neu erfinden muss – ohne sich wirklich neu zu erfinden. Also die Leichtathletik braucht immer wieder neun Reize zur Motivation, sie muss immer wieder neue Bewegungsfelder bieten, aber auch das Bewährte erhalten. Das ist die ständige Aufgabe der Trainer und Übungsleiter, die auch deshalb solche Fortbildung brauchen. Wir wollen damit Anregungen geben. Beispielsweise: Ein Trainer braucht „Humor“. Das ist zwar nur ein Buchstabenspiel. Aber das H steht für Haltung, das U für Umsetzung, das M für Methode, das O für Organisation und das R für Respekt.

Und für die Kinder und Jugendlichen?
Eberle: Da ging es beim Nikolaus-Lehrgang um eine altersgemäße Sprungschulung. Gemäß dem Motto „Kleine Hüpfer machen große Sprünge“ wurde dies als Sprungschule in einer Praxiseinheit demonstriert. Mit den Kindern wurden die Grundbausteine Laufen und Werfen mit Hilfe von selbst gebastelten Alltagsmaterialien gezeigt. Es gab den Begriff „LEIKO“. Damit war eine breite leichtathletische Koordinationsschulung gemeint. Es ging um das Wahrnehmen, Aufnehmen, Umsetzen und Übertragen. Es ging um das Prinzip der Ganzheitlichkeit. Es ist wichtig, dass man nicht nur den Körper schult, die Technik ausbildet, sondern beispielsweise auch das soziale Gefüge entwickelt. Ja, da kommt dann wieder die Mehrperspektive der Leichtathletik ins Spiel.

Macht Ihnen nach all den Jahren die Organisation und Leitung des Nikolaus-Lehrganges noch Spaß?
Eberle: Ich wollte eigentlich mal kürzertreten, aber es ist immer wieder eine erneute Herausforderung. Und es macht großen Spaß, weil wir ein hervorragend funktionierendes Lehrteam sind. Alleine geht das schon lange nicht mehr. Wir entwickeln neue Impulse, besprechen Lehrinhalte und geben unsere Ideen gerne weiter. So verstehen wir auch die pädagogische Offensive von WLV und DLV.

Wer gehört zu diesem Team?
Eberle: Da gibt es immer wieder Veränderungen. Ich suche und finde aber immer Leute, die zu uns passen. In diesem Jahr waren Jutta Bryxi, Lena Bryxi, Anne Grimm, Martina Winter und Eric Schmid mit dabei und sehr hilfreich war in diesem Jahr Rene Stauß, der neue Bildungsreferent des WLV.

Gab es mal Überlegungen, die Teilnehmerzahl zu vergrößern?
Eberle: Nein. Es würden zwar noch ein paar Leute reinpassen, aber das wird es nicht geben. An dieser Stelle möchte ich auch mal sagen, dass man diesen Lehrgang in der Sporthalle in Schwäbisch Gmünd außergewöhnlich gut durchführen kann. Hinzu kommt die Tatsache, dass es für mich ein Heimspiel ist. Ich kenne auch die Hausmeister hier, die es hervorragend machen und überall helfen. So macht es Spaß.

Haben Sie noch Träume für die künftigen Nikolaus-Lehrgänge?
Eberle: Träume? Nein. Aber Wünsche. Den Paralympicssieger im Weitsprung Markus Rehm würde ich gerne zum Nikolaus-Lehrgang holen. Er stammt aus Reichenbach unterm Rechberg und hat die Leichtathletik in dieser Gmünder Leichtathletikhalle als gesunder Bub ausgeübt. Ohne das Erlernen dieser Grundformen damals wäre es niemals 8,24 Meter weit gesprungen. Sein Kommen wäre auch als gesellschaftliches Thema sehr wichtig.

Sie betreuen nach wie vor den Hammerwerfer Alexander Ziegler. Was darf man von ihm noch erwarten?
Eberle: Er wird sich steigern, wenn es gelingt, Studium und Leistungssport weiterhin miteinander zu verbinden. Gemeinsam versuchen wir gerade einen etwas anderen Aufbau. Wir schauen nicht mehr primär nach der maximalen Kraft, sondern versuchen über eine exakte Technik und ein hohes Schnelligkeitspotential das Niveau zu steigern. Ich denke, das ist uns in diesem Jahr schon sehr gut gelungen.

Interview von Alexander Haag mit freundlicher Genehmigung der Gmünder Tagespost


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