Gretel-Bergmann-Weg im Berliner Olympiapark eingeweiht

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Im Berliner Olympiapark wurde unmittelbar vor „Berlin fliegt“ am Brandenburger Tor eine Straßenbenennung vorgenommen. „Gretel Bergmann Weg“ heißt die Straße in Erinnerung an die jüdische Hochspringerin Gretel Bergmann, die 1936 von den Nationalsozialisten aus dem Olympiateam verbannt und somit um eine mögliche Goldmedaille gebracht wurde.

In einem Festakt wurde am Samstagnachmittag im Berliner Olympiapark eine Straße nach Gretel Bergmann benannt - der jüdischen Leichtathletin, der von den Nazis 1936 mit perfiden Methoden die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Berlin verwehrt wurde. „Das Berlin von damals ist ein anderes als das von heute“, sagte Frank Henkel, Senator für Inneres und Sport des Landes Berlin, „es ist offen für alle“ - im Gegensatz zu 1936.

Bei der Straßenbenennung waren zahlreiche Vertreter aus Sport, Politik und Gesellschaft zugegen. „Die Benennung des Gretel Bergmann-Wegs an einem Ort, an dem die jüdische Sportlerin mit ihrer Streichung aus dem Olympiateam ihre größte Niederlage einstecken und ihren Traum von einer Olympiamedaille begraben musste, ist beispielgebend“, sagte Walther Tröger, von 1992 bis 2002 NOK-Präsident und Ehrenmitglied des Internationalen Olympischen Kommittees.
Für den Deutschen Leichtathletik-Verband waren die Vize-Präsidenten Dagmar Freitag und Ernst Burgbacher anwesend. „Dies ist eine späte aber verdiente Würdigung der Lebensleistung von Gretel Bergmann an einem symbolträchtigen Ort“, sagte Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag und DLV-Vizepräsidentin.

Gretel Bergmann gehörte in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts zu den erfolgreichsten Hochspringerinnen der Welt. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft wurde sie für die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1936 vom deutschen Team ausgeschlossen und emigrierte später in die USA. Sie lebt bis heute in New York und wurde am 12. April in ihrem Geburtsort Laupheim (bei Ulm) mit einer Feierstunde anlässlich ihres 100. Geburtstages geehrt. Weitere Ehrungen: Georg Opel-Preis (1999), Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Sports (2012) und die nachträgliche Anerkennung ihres deutschen Rekords (1,60 Meter) 2009 – mit 73 Jahre Verspätung.

„Ich kann es kaum glauben und bin sehr glücklich“, ließ Gretel Bergmann aus New York wissen. Pikantes Detail: Der Gretel Bergmann Weg führt an der ehemaligen Villa des NS-Reichssportführers Hans von Tschammer und Osten, der Bergmann 1936 aus dem deutschen Olympiateam geworfen hatte, vorbei. „Ich sehe es als späten Triumph, dass der Name Gretel Bergmann auf eben diesem Gelände präsent ist. Eine Ehrung, die ihr damals durch eben diesen Herrn von Tschammer und Osten verwehrt geblieben ist“, sagte Lutz Imhof vom Berliner Olympiapark.

“Gretel Bergmann war eine außergewöhnliche Leichtathletin, deren Lebensgeschichte es verdient, lebendig erhalten zu werden“, würdigte Doppel-Olympiasiegerin Ulrike Meyfarth die neuerliche Ehrung Bergmanns. Für den Laupheimer Leichtathleten Jürgen Littwin war das Ereignis in Berlin ein ganz besonders emotionaler Moment. „Das war alles sehr bewegend“, kommentierte Littwin die Feierstunde. Littwin ist seit vielen Jahren mit Gretel Bergmann befreundet und hat durch seine Kontakte nach New York die späte Würdigung Bergmanns erst ermöglicht.

Ewald Walker

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Jürgen Littwin und Gretel Bergmann in New York
 
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