Dieter Baumann brilliert als Schauspieler

Die vielfältigen Facetten des Dieter Baumann: Aus dem Läufer und Comedian Dieter Baumann wird ein ernsthafter Schauspieler in Siegfried Lenz’ „Brot und Spiele“. In der vergangenen Woche feierte das Stück Premiere am Stuttgarter Theaterhaus.
Dieter Baumann zeigt eine weitere Facette seines vielseitigen Talents.

Im Theaterhaus Stuttgart brilliert der 5.000-Meter-Olympiasieger nach seinen Erfolgen als Comedian in „Körner, Currywurst, Kenia“ nun auch als Schauspieler in einem Soloauftritt in „Brot und Spiele“ nach dem gleichbetitelten Roman von Siegfried Lenz.

Die Niederlage war eigentlich unvermeidlich für den alternden Langstreckenstar Bert Buchner in seinem letzten großen Rennen, der Beifall für den 5.000-Meter-Olympiasieger von Barcelona (Spanien; 1992) am Ende eines zweistündigen Schauspielmonologs aber Sieg, Lob und Anerkennung für eine Leistung, die ihm selbst seine treuen Anhänger aus der Sportszene kaum zugetraut haben.

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Multitalent abseits der Laufbahn

Erfolge als Läufer, Trainer, Motivationscoach und Comedian durfte er bislang schon reichlich einstreichen, als Schauspieler betrat der 46-Jährige nun auf der Theaterhaus-Bühne ein neues Terrain, das er erstaunlich (selbst)sicher beherrscht wie zuvor schon die Balance zwischen aeroben und anaeroben Belastungselementen der modernen Trainingslehre.

Nicht von ungefähr hat Dieter Baumann für sein Schauspieldebüt den Roman „Brot und Spiele“ von Siegfried Lenz gewählt. Im Mittelpunkt des 1959 erschienenen Werkes steht Bert Buchner, ein spätberufener Läufer, der innerhalb von nur wenigen Jahren vom Zufallssieger bei einem Kreisklassenmeeting zu einem über die Leichtathletikszene hinaus weltweit bekannten Laufass aufgestiegen ist.

Die Freundschaft zu einem Journalisten, den er in der englischen Kriegsgefangenschaft kennen gelernt hat, ist im Laufe der Karriere zerbrochen, nicht zuletzt wegen der Charakterschwäche von Bert Buchner.

Roman als Wegbegleiter

Im letzten großen Rennen des Bert Buchner, dem Finale der 10.000-Meter-Europameisterschaften, vollzieht sich selbst beim verhärmten einstigen Freund eine Gefühlsveränderung, aus der eher distanzierten Haltung ist eine Anteilnahme am letztlich auf der Zielgeraden eingebrochenen Bert Buchner geworden.

Der Lenz-Roman ist für Dieter Baumann über viele Jahre hinweg ein treuer Wegbegleiter auf vielen Wettkampfreisen, bei Trainingslagern und Wochenendmaßnahmen gewesen, nun hat er als Solist seine eigene Bühnenfassung von „Brot und Spiele“ gespielt. Als Herzensangelegenheit. Schließlich weiß Dieter Baumann selbst, wie es ist, wenn ein einstmals gefeierter und allseits geliebter Star plötzlich in die Rolle des Buhmanns geraten kann.

„Schwieriger als Laufen!“

„Weltklasse“, staunt selbst der Olympia-Zweite über 5.000 Meter, Markus Ryffel aus der Schweiz, über den Bühnenauftritt von Dieter Baumann. Eine herzliche Umarmung auf der Premieren-Party sagt freilich mehr als viele Worte über die schauspielerische Leistung. Ähnlich beeindruckt wie Markus Ryffel waren auch viele Freunde und Weggefährten, die der Premiere im Stuttgarter Theaterhaus beiwohnten.

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Die vielfältigen und hinreichend bekannten Talente des Dieter Baumann werden mit „Brot und Spiele“ auf den Bühnenbrettern des Theaterhauses noch einmal getoppt. Textsicher beherrscht Dieter Baumann die Charakterrollen des im Krieg verwundeten Journalistenfreunds, des Rundfunkreporters bei Buchners letztem Europameisterschaftsrennens, des Laufstars Bert Buchner und des Moderators im Szenenwechsel.

„Glaubt mir, das ist schwieriger als Laufen!“, sagte ein sichtlich entspannter Dieter Baumann im Kreise der Premierengäste.

Vielschichtige Charakterdarstellung

Unter der Regie von Carola Schwelien hat Dieter Baumann eine überzeugende Leistung geboten, das spärliche Bühnenbild von Illona Lenk lässt den erforderlichen Raum für die einzelnen Charakterrollen. Hier der einarmige, verbitterte Journalist, der Rotwein trinkend und Zigaretten rauchend missmutig einhändig auf der alten Schreibmaschine klappert, da der ins Mikrofon schreiende Reporter im Stadion und dort der gehätschelte Laufstar oder der die Handlung zusammenfassende Moderator, der immer wieder zum dtv-Taschenbuch greift und ausgewählte Passagen vorliest.

Vier Monate lang hat Dieter Baumann für diesen neuen Abschnitt seiner längst vielgestaltigen Karriere „trainiert“ - leicht länger als eine gewissenhafte Marathonvorbereitung. Für ein Bühnenstück, das gerade einmal so lang ist wie der aktuelle Weltrekord über die 42,195-Kilometer-Strecke. Bert Buchners Niederlage gegen die Hellströms, Mussos oder Seaborns ist ein Sieg für den einstigen Olympiasieger Dieter Baumann und eine weitere Kostprobe seiner außergewöhnlichen Talente.

Text: Wilfried Raatz
Fotos: Uli Metz

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