WLV-Präsident Jürgen Scholz zum Jahreswechsel

Liebe Leichtathletik-Freunde

Weihnachtszeit, Jahreswechsel ...
Zeit um – wieder einmal – Bilanz zu ziehen. Wir könnten es natürlich dabei bewenden lassen, uns zufrieden zurückzulehnen und auf unsere Erfolge zurückzublicken. Verdient hätten wir es ja; waren unsere Athleten in 2005 doch so erfolgreich wie schon lange nicht mehr! Platzierungen und sogar Medaillen gab es bei Internationalen Meisterschaften, Deutsche Meistertitel gingen zuhauf an WLV-Athleten und wir können stolz sein, mit Tobias Unger eine der Lichtgestalten der deutschen Leichtathleten im Verbandsgebiet zu haben. Wir können einmal mehr einen Mitgliederzuwachs verzeichnen und unsere Konzepte im Breitensport und im Bereich der Lehre sind so gut, dass sie teilweise sogar vom DLV übernommen werden.
 
Darüber sollten wir aber nicht versäumen, auch andere Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen: Wer die Medienlandschaft beobachtet, stellt fest, dass sich die Leichtathletik zunehmend rar macht. Nicht nur in den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten nimmt die olympische Kernsportart immer mehr die Rolle des exotischen Außenseiters ein. Wann stand im Sportteil Ihrer regionalen Tageszeitung zum letzen Mal die Leichtathletik im Mittelpunkt? Müssen nicht alle Alarmglocken bei uns klingeln, wenn wir hören, dass ARD und ZDF eine Übertragung des World Athletics Finals in September kommenden Jahres in Stuttgart dankend ablehnen? Dabei steht einer aktuellen Untersuchung zufolge, die Leichtathletik unter allen Sportarten noch immer auf Platz 2 der Zuschauergunst und das World Athletics Final ist das Top-Ereignis in der Leichtathletik in 2006. Aber als TV-Sportart tritt die Leichtathletik nur noch alle zwei Jahre aus dem Schattendasein heraus und kann sich im olympischen bzw. weltmeisterlichen Rampenlicht sonnen, während zweitklassige Boxkämpfe im ZDF zu sportlichen Topevent hochgejubelt werden.

Eine andere Untersuchung beziffert die Zahl der Bundesbürger, die regelmäßig Laufen oder Walken, auf 16 Millionen. Jeder Fünfte betreibt also Leichtathletik! Wo aber steht die Leichtathletik in der Schule? Auf der Beliebtheitsskala der Kinder mittlerweile ganz hinten und auch die Mehrzahl der Sportlehrer beschäftigt sich bei Fortbildungen lieber mit Golfspielen oder Sportklettern als mit der Leichtathletik. Aber noch nicht genug, weitere Baustellen tun sich im schulischen Bereich auf: So werden uns die Konzepte der Ganztagesschule und der "achtjährige gymnasiale Bildungsgang", genannt G8, mit Ihren Auswirkungen auf die Vereinsarbeit in den kommenden Jahren noch stark beschäftigen.

Liebe Leser, ich möchte nicht zum Schwarzmaler werden. Aber wenn wir die Probleme nicht aufzeigen und beim Namen nennen, werden wir nicht vorankommen. Die gesellschaftliche Entwicklung geht weiter und wenn wir uns als Sportart nicht auch weiterentwickeln, werden wir über kurz oder lang am Wegrand zurückbleiben. Nach dem Motto: „wer kämpft, kann verlieren – wer nicht kämpft, hat schon verloren“ möchte ich Sie alle ganz herzlich dazu auffordern, im kommenden Jahr die Leichtathletik mit Ihrer ganzen Kraft und Ihren Ideen – auch wenn diese nicht gleich auf allgemeine Zustimmung stoßen – weiterzuentwickeln. Bitte lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass die Leichtathletik wieder den Stellenwert unter den Sportarten gewinnt, den sie verdient.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start ins Jahr 2006.

Ihr Jürgen Scholz
WLV-Präsident
 
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