Hohe Auszeichnung von der GEK ist zugleich ein Abschied für Markus Fendt - Trainer des Jahres 2005

Zur Ehrung brachte er seine Familie mit und Söhnchen Malte wusste zwar noch nicht so ganz, worum es ging, aber dass etwas passierte mit seinem Papa, da merkte sogar er schon - auch wenn er erst knapp ein Jahr alt ist. Markus Fendt von der LAV ASICS Tübingen wurde vom Landessportverband mit dem GEK-Trainerpreis als Trainer des Jahres 2005 ausgezeichnet. Zur Laudatio gab es auch noch ein Preisgeld von 1250 Euro für den hochgewachsenen jungen Mann, der früher selbst Zehnkampf betrieben hat, aber eigentlich auch gerne beim Basketball gelandet wäre. "Mit 14 Jahren habe ich noch Center gespielt, aber später hatte ich gegen die Riesen keine Chance mehr", erzählt der 1,89 Meter große Tübinger.

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Markus Fendt (hinten links) im Kreis der anderen GEK-Preisträger.

Doch da gab es schließlich noch die Leichtathletik, die hat ihn auch gereizt. Er probierte selbst einiges aus, Mehrkampf, Speer, Kugel, Stabhochsprung - irgendwann, 1993 ist er ins Trainingslager mit einer Truppe und die Schüler haben einen gesucht, der ihnen Stabhochsprung beibringt. Da Markus Fendt der einzige war, der davon Ahnung hatte, stellte er sich zur Verfügung - und es hat ihm Spaß gemacht. "Ich hatte Glück, dass da gleich Talente dabei waren", erinnert sich Fendt. Und so sprach sich bald herum, "dass es da in Tübingen einen gibt, der etwas aufbauen will". Doch es war nicht nur Glück, das der junge Trainer hatte, ihm machte es Spaß seine Schützlinge zu Leistungen zu bringen und freute sich über die Fortschritte.

Heute hat der Coach, der über die A-Lizenz im Sprungbereich verfügt, eine Reihe von guten Stabhochspringer(inne)n - und einen Rohdiamanten, der für positive Schlagzeilen sorgt, weit über Tübingen hinaus: Fendt brachte Sprinter Marius Broening bereits bis zu den Olympischen Spielen. 2004 in Athen gehörte Broening der deutschen 4 x 100-Meter-Staffel an, in Helsinki 2005, wurde er sogar Siebter mit seinen Kollegen. Seit sechs Jahren hat Fendt den Staffel-Vize-Europameister bei der U23 unter seinen Fittichen. Doch Markus Fendt steht nicht nur für Hochleistungssport - auch der Nachwuchs ist ihm extrem wichtig. Und ein breites Spektrum. "Ein schönes Erlebnis für mich ist, wenn einer meiner Schützlinge ein Ziel erreicht hat und vor allem wenn es überraschend kommt", sagt der Biologe. "Das Wichtigste ist der Spaß beim Training".

Doch im Moment sind einige seiner Athleten sehr traurig. Markus Fendt war 13 Jahre für seine Schützlinge da, doch im März wird der 37-Jährige, der eine Zeitlang auch mal Landestrainer im Bereich Stabhochsprung Mädchen war, Tübingen verlassen - er hat in Basel eine Arbeitsstelle bekommen in einem Pharmaziekonzern. "Das ist ein Superjob, den muss ich annehmen", sagt er. Bisher arbeitet er an der Uni Tübingen als Dozent und hatte immer nur Zeitverträge. "Die laufen 2007 aus und ich kriege keine Dauerstelle an der Uni". Das hat zur Folge, dass wieder ein engagierter, guter Trainer das Land verlässt.

Neue Arbeitsstelle in Basel
Er geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Zumal er seine Athleten zurücklassen muss, die ihm sehr ans Herz gewachsen sind. Marius Broening wird sich Micky Corucle anschließen und künftig viel mit Tobias Unger trainieren. Die anderen Sportler müssen ebenfalls zu anderen Trainern. "Klar werde ich meine Leute vermissen", sagt er, aber so ein Angebot kann ich nicht ausschlagen, sagt der Mann, der bisher in Tübingen jeden Tag zwei bis drei Stunden auf dem Sportplatz stand, denn neben seinem Vereinsjob hatte er auch noch einen regionalen Stützpunkt im Sprint. "Ich hatte null Hobbys und null Freizeit", erzählt er. Das will er jetzt ändern. Er wünscht sich künftig "ein bisschen mehr Zeit für sich und seine Familie."

Markus Fendt ist ein bescheidener, ruhiger Mensch, der sich nicht in den Vordergrund drängt. Zur WM nach Helsinki ist er beispielsweise gar nicht erst mit. "Da wäre ich sowieso an Marius nicht rangekommen, das wäre unbefriedigend gewesen." Für beide. Davon abgesehen hätte er Urlaub nehmen müssen. Und den opfert er ohnehin schon genug für den Sport. Als seine Stärke sieht er selbst seine Gelassenheit und Ruhe an, die er ausstrahlt. Diese Eigenschaft wirkte sich auch auf seine Athleten aus. Sein Motto lautete immer, "wenn ich etwas mache, versuche ich es auch immer zu kapieren und nachzuvollziehen. Seine Arbeit in der Leichtathletik hat ihm immer viel Freude bereitet. "Und es war ein guter Ausgleich.

Dass er Biologe werden wollte, war immer sein Ziel. Zuvor, als kleiner Junge wollte er Zoodirektor werden. "Weil ich Tiere über alles liebe, die haben mich schon immer interessiert", sagt Fendt und grinst. "Aber im Moment hat er zuhause nur Fische. Auch ist er sehr naturverbunden. Und er fotografiert gerne. Familie Fendt wird in Deutschland bleiben, auch wenn Markus in Basel arbeitet. "Wir werden nach Lörrach ziehen", erzählt er. Und es wäre ein Wunder, wenn er dort nicht auch gleich im dortigen Leichtathletikverein seine Fühler ausstrecken würde. "Später werde ich da bestimmt mal was machen", sagt der 37-Jährige augenzwinkernd. Vielleicht wenn Malte mal mit Leichtathletik anfangen will. Doch im Moment kann er ja noch nicht mal laufen."

Er will es ruhig angehen lassen in seiner neuen Heimat. Und seine Interessen etwas mehr ausleben. "Ich reise gerne, werde viele berufliche Fachkongresse besuchen und auch mal wieder eine Exkursion machen. Die Ziele ?
Überall auf der Welt. Brasilien, Florida, Kalifornien hat er sich schon dick in seiner Agenda angestrichen.

Doch zuvor wird er noch etwas anders erledigen. "Das erste was ich tue, wenn ich in Basel bin, ich kaufe mir eine Jahreskarte für den Zoo", sagt er. Mal sehen wie lange es Markus Fendt ohne Leichtathletik aushält ...

Ursula Kaiser

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