WLV-Präsident Jürgen Scholz zum Verkauf der Namensrechte am Daimler-Stadion durch den VfB Stuttgart: Teurer Alleingang

Der Laie wundert sich, der Fachmann staunt - es scheint, als wäre in Stuttgart der 1. April bereits im März. Denn nur mit einem Aprilscherz kann die Meldung verglichen werden, die am Mittwoch über die Live-Ticker der Stuttgarter Agenturen gesickert ist. Der VfB Stuttgart verkauft im Einvernehmen und mit Segen von Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster die Namensrechte des Gottlieb-Daimler-Stadion an Mercedes Benz für einen zweistelligen Millionenbetrag an die Daimler AG.

Dieser Deal soll in einer Pressekonferenz Ende des Monats verkündet werden. Dies ist der vorläufige Höhepunkt in einem Schauspiel, in dem die politische Führung der Landeshauptstadt dem VfB Stuttgart mit Steuermitteln ein finanzielles Zugeständnis nach dem anderen macht.

Noch vor nicht allzu langer Zeit waren sich die Rathausspitze und die Fraktionen im Stuttgarter Gemeinderat einig, dass ein Stadionumbau nur in Frage kommt, wenn der VfB Stuttgart das Stadion zu einem angemessenen Preis käuflich erwirbt. Doch von dieser Aussage haben sich mittlerweile alle Beteiligten verabschiedet. Der Verkauf des Namensrechts, an dem die Stadt mit keinem müden Euro beteiligt werden würde, soll den Grundstock der stillen Einlage des VfB Stuttgarts in die noch zu gründende Stadion-Objektgesellschaft darstellen. Die Stadt beteiligt sich also indirekt auch noch an der Einlage des VfB Stuttgarts in die von der Stadt getragene Stadion GmbH. Eines ist ganz klar: Der Erlös aus dem Verkauf der Namensrechte steht in keinem Fall dem VfB Stuttgart zu. Dabei ist man dem VfB schon auf allen Ebenen entgegengekommen, um ihm seinen Wunsch nach einer Fußballarena zu erfüllen. Diese offensichtliche Verschleuderung von Steuermillionen ist in der Bundesrepublik sicherlich einmalig!

Dazu WLV-Präsident Jürgen Scholz: „Es kann und darf nicht angehen, dass die Kosten des Stadionumbaus kommunalisiert werden und die Gewinne das Wirtschaftsunternehmen VfB Stuttgart einstreichen darf. Ein solches Vorgehen ist an Dreistigkeit nicht mehr zu überbieten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Stuttgarter Bevölkerung dies bieten lässt. Auch für alle anderen Sportvereine und –verbände, die auf solche Geldgeschenke vergeblich warten, ist dies ein Schlag ins Gesicht. Beim Leichtathletik-Weltfinale etwa sind ein städtischer Zuschuss von 350 000 € trotz Fernsehübertragung in mehr als 150 Ländern zuviel. Der Monopolisierung im Sport wird damit weiter Vorschub geleistet.“

Einfalt zu jedem Preis könnte man meinen, so jedenfalls interpretiert WLV - Boss Jürgen Scholz diese Entwicklung. Der Sport bleibt auf der Strecke, eine weitere Chance der Stadt für mehr Glaubwürdigkeit zu werben, so Scholz werde vertan. Der WLV wird mit großem Interesse verfolgen, ob sich die Mitglieder des Gemeinderates diese Dreistigkeit der Verantwortlichen gefallen lassen.

Pressemitteilung des Württembergischen Leichtathletik-Verbandes
20. März 2008



Die heutigen Berichte der Stuttgarter Tageszeitungen finden Sie hier:

Stuttgarter Nachrichten 20. März 2008 (Titelseite)
Stuttgarter Nachrichten 20. März 2008
Stuttgarter Zeitung 20. März 2008 (Titelseite)
Stuttgarter Zeitung 20. März 2008
Stuttgarter Zeitung 20. März 2008 (Kommentar)

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