Nikolaus-Lehrgang: Ohne Koordination geht nichts

„Nur wer sich laufend bewegt, der kann denken“, meint der Hirnforscher Prof. Dr. Manfred Spitzer. Dementsprechend drehte sich beim diesjährigen Nikolaus-Lehrgang in der Großsporthalle in Schwäbisch Gmünd alles um das Thema "Laufen". „Das Laufen, nicht nur gut für die Motorik und den Geist, es stärkt auch durch das gemeinsame Üben unser sozialen Gefüge“, sagt Fred Eberle, WLV Lehrwart. Damit wichtig für das schnell und ausdauernd Laufen: Die koordinativen Fähigkeiten.

Für Fred Eberle ist "Laufen" nicht nur eine Leichtathletikdisziplin wie Stabhochsprung oder Diskuswerfen. „Laufen, ein Erlebnis- und Handlungsfeld und die elementarste aller Arten der Bewegungsförderung“ war eine wichtige Aussage im Eröffnungsreferat. Hierbei geht es erstmal darum, das Laufen als Ganzes zu sehen, übertragen auf alle Sportarten, das Laufen als Bewegungsbasis in Schule und Verein.

Eine Problematik beginnt schon im Alltag, „unsere Gesellschaft ist immer mehr darauf ausgelegt möglichst bewegungsarm voran zu kommen“. Auf die Leinwand wird ein Bild einer bis in die zweite Reihe zugeparkten Tempo-30-Zone projiziert. „Wissen Sie, wo das ist?“, so Eberle. Schweigen der 150 Teilnehmer erfüllt den Raum. „Mittags um fünf vor zwölf vor einem Kindergarten.“

Doch dabei gilt es, mit den Kindern früh das richtige Laufen und die einzelnen Bewegungsteile zu üben, die Grundlagen beizubringen, denn: „Die Grundlagen öffnen die Türe“, sagt Fred Eberle. Dabei steckt hinter seinem Konzept auch viel Pädagogik. Es werden alltagsmotorische Bewegungselemente, Natur- und Umweltgegebenheiten gesammelt, die dann im Unterricht und Training umgesetzt werden. Zum Beispiel eine Übung, die das Pfützentreten eines Jungen nachahmt. „Man muss oft Sachen anders verpacken, um sie den Kinder in Schule und Verein schmackhaft zu machen, das ist methodisch wichtig für das Lernen“, so Eberle.

Ein weiteres Beispiel im Teamwettbewerbe, die Kinder sammeln Bälle, legen diese in einer Kiste ab und die Nächsten folgen in einer Art Staffellaufen. „Die Kinder merken dabei gar nicht, wie viel sie sich dabei eigentlich bewegen.“ Basis des schnellen und ausdauernden Laufens ist die Koordination, wie rasch man dies erlernen kann, zeigte Dozent Christian Weber mit einer Schulklasse aus der Grund-, Haupt- und Werkrealschule Unterm Hohenrechberg. Dabei demonstrierte er eindrucksvoll in verschiedenen Spiel- und Übungsformen, wie sich die Koordination der Kinder durch ständiges Wiederholen, ganz selbstverständlich verändert, vertieft und verbessert. In Koordinationsparcours ging es über kleine Hindernisse. So genannten Happy Hands - kleine Handgewichte aus Schaumstoff - verhalfen zu richtigen Armführung und schon begannen die Kinder ihre Arme richtig mitzuziehen. Warum gerade das Laufen eine so wichtige Disziplin für den Menschen ist, erklärte der berühmte tschechische Wunderläufer Emil Zatopek einmal im Gespräch folgendermaßen: „Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft.“

Nach der Demonstration mit den Grundschülern waren die Teilnehmer dann selbst gefordert bei vielzähligen unterschiedlichen Übungen die eigenen Fähigkeiten zu testen. Dabei wurde besonders die Orientierungs- und Rhythmusfähigkeit in abwechslungsreichen Programmen in den Mittelpunkt gerückt. Vieles war zu erarbeiten beim Nikolaus- Lehrgang, natürlich alles in der Gruppe: „Uns geht es auch um die Gemeinschaftlichkeit“, so Fred Eberle.

An der koordinativen Körpersteuerung arbeiteten auch Michael Pössinger Pössinger und Jutta Bryxi am Nachmittag. Zuerst demonstrierte Pössinger mit seiner Talentgruppe was denn so alles durch die Stabilisation des Körpers und regelmäßiges Training möglich ist. Auf labilem Untergrund zeigten die Athletinnen und Athleten Ausschnitte aus dem Jugendtraining, die so manchen zum Staunen brachte.

Danach durften sich die Teilnehmer selbst versuchen, wer sich traute. Ein reichhaltiges und abwechslungsreiches Angebot an Übungen zur Verbesserung der Gleichgewichtsfähigkeit erstellten Bryxi und Pössinger zusammen mit für den Teilnehmer. Sicher knüpft man in der Vereinsarbeit nicht an die monatelang trainierten Inhalte der Pössinger- Gruppe an, doch: „Wir wollen übertragbare und anwendbare Tipps auch für das Leistungstraining für unsere Teilnehmer geben, das ist wichtig“, sagt Fred Eberle. Gedanken zur Trainingslehre, zur mentalen Aktivierung und neuromuskulären Steuerung als leistungsbestimmende Faktoren des Leichtathletiktraining schlossen die Weiterbildung ab.

Quelle: Gmünder Tagespost / Jan-Philipp Strobel

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