Aufwärmen mit dem grünen Plüschdrachen

Es ist ein Ernährungsmythos, der wohl noch viele Generationen überdauern wird. Auch in der Klasse 3b an der „Schule im sonnigen Winkel" in Stuttgart ist die Gemüselegende angekommen. Als die Ernährungsberaterin Andrea Scholpp die Drittklässler fragt, was Spitzensportler denn vor dem Wettkampf essen würden, antwortet rasch ein Schüler in der letzten Reihe: „Spinat."

Scholpp lächelt. Der Einzige, dem davon jemals Muskeln gewachsen seien, sagt sie, „ist Popeye". Scholpp blickt in fragende Gesichter. Den Comic-Seemann kennt von den Acht- bis Neunjährigen, die sich für den Minimarathon beim Stuttgarter-Zeitung-Lauf vorbereiten, kaum noch jemand.

Profisportler und ein Maskottchen bereiten Drittklässler spielerisch auf den AOK Minimarathon beim Stuttgarter Zeitung-Lauf vor

Gestern haben sich die Schüler beim AOK-Aktionstag eher für das Maskottchen Jolinchen interessiert. Ein grüner Drache, der in seinem dicken Plüschfell ein wenig pummelig wirkt. Doch die Kinder sind begeistert, dass Jolinchen bei den Aufwärmübungen unter der Leitung der Sportreferentin Silvia Ochs vom Württembergischen Leichtathletikverband mitmacht. Auf der Tartanbahn des MTV-Trainingsgeländes, einige hundert Meter von der Schule entfernt, steckt Ochs dafür ein Rechteck ab. An den Ecken des Feldes legt sie Karten aus, die auf der Unterseite mit Buchstaben beschriftet sind.

Nach jeder Runde drehen die Kinder jeweils zwei Karten um. Decken die Schüler zwei gleiche Buchstaben auf, dürfen sie die Karten behalten. Ausdauer-Memory nennt Ochs das Spiel. „So zeigen wir den Kindern: Laufen kann auch Spaß machen." Das Ziel dabei sei weniger, den Kindern den Sport näher zu bringen, sondern vielmehr den „Spaß am Sport". Das sei leider nicht immer so gewesen. „Leichtathletik war früher eher der 5000-Meter-Dauerlauf durch den Wald", sagt Ochs. „So vermittelt man den Kindern natürlich nicht die Freude daran."

Foto
Hürdensprinterin Nadine Hildebrand zeigt Drittklässlern und dem Maskottchen Jolinchen, wie einfach Training sein kann.

Allerdings sei es auch nicht ganz einfach, die Kinder schon früh für die Leichtathletik zu gewinnen, sagt Nadine Hildebrand, der sportliche Überraschungsgast beim Aktionstag. Die 22-Jährige ist erfolgreiche Hürdenläuferin, wurde 2005 Sechste bei den Hallen-Europameisterschaften, 2009 Deutsche Hallenmeisterin und erreichte dieses Jahr Platz 14 bei den Hallen-Weltmeisterschaften. Mit acht Jahren sei sie nur aus Neugier einige Male mit ihrer großen Schwester zum Training auf den Sportplatz gegangen. Erst mit 15 Jahren habe sie dann aktiv trainiert. Ihr sei es wichtig, die Kinder früh für Sport zu begeistern. „Ohne Nachwuchs gibt es eben auch keine Leichtathletik", sagt Hildebrand.

Obwohl es nicht immer einfach ist, den Schülern den Spaß am Laufen zu vermitteln, sieht die Klassenlehrerin Jana Scheuing gleich zwei Vorteile darin. Zum einen sei es für einige Schüler ein guter Ausgleich. „Wer in Mathe etwas schlechter ist, der holt sich beim Sport seine Erfolgserlebnisse", sagt die Lehrerin. Außerdem sehe sie die Chance, Kindern aus ärmeren Familien einen leichteren Zugang zum Sport zu verschaffen. Ohne eine teure Ausrüstung, ohne hohe Mitgliedsbeiträge. Sie sollen einfach laufen.

Zwei Monate lang trainiert Scheuing mit ihrer Klasse für den StZ-Lauf am 19. Juni. Nur die Pfingstferien durchkreuzen den Trainingsplan. Doch das Ziel sollen die Schüler in der freien Zeit nicht aus den Augen verlieren. „Ich werde sie motivieren, auch in den Ferien zu laufen - und ihre Eltern sollen sie gleich mitnehmen."

Bericht von Jörg Breithut mit freundlicher Genehmigung der Stuttgarter Zeitung

=> Weitere Informationen zum Stuttgarter Zeitung-Lauf

Logo

Zurück 

Unsere Partner

Top Events

Deutsche Hallenmeisterschaften 2018Leichtathletik-EM 2018

AKTUELL

WLV Bestenliste

WLV-Bestenliste

Cosa Win

CosaWin