„Ich laufe, bis es nicht mehr nach Sprint aussieht!“

755 Teilnehmer aus 480 Vereinen, die zusammen 1691 Disziplinmeldungen abgegeben haben, verzeichnet die Deutsche Leichtathletik-Hallenmeisterschaft der Senioren, die ab heute bis Sonntag im Glaspalast Sindelfingen stattfindet.

Reinhard Michelchen, 56 Jahre, ist einer davon – doch zum ‚alten Eisen’ gehört der Leichtathletik-Senior beim VfL Sindelfingen noch lange nicht. Ganz im Gegenteil: Michelchen läuft noch manch Jüngerem spielend davon und zählt bei den Titelkämpfen zu den Top-Favoriten über 60, 200 und 400 Meter seiner Altersklasse. Im Interview spricht er über seine Erfolge sowie den Beginn und das mögliche Ende seiner sportlichen Laufbahn.

Reinhard Michelchen, wie lange betreiben sie schon Leichtathletik und was Ihre Motivation damit anzufangen?
Ich habe relativ spät mit 17 angefangen. Zuerst mit Crossläufen und dann etwas Mittelstrecke. Dann habe ich mal einen 400-Meter-Lauf probiert und habe den gleich gewonnen. Die Strecken wurden immer kürzer und so machen mir nach wie vor die 60 Meter in der Halle und im Sommer die 100 Meter am meisten Spaß.

Warum gerade Sprint?
Das Training für die Mittelstrecke war sehr zeitaufwändig. Mein Trainer sagte, ohne tägliches Training geht das nicht. Manchmal sieben Tage die Woche und auch öfter zweimal am Tag. Früher haben wir wahrscheinlich auch viel im Training falsch gemacht.
Das Sprinttraining sieht zur Zeit ganz anders aus. Minimaler Aufwand, maximaler Erfolg. Wenn ich jemandem erzähle, dass ich in zwei Stunden Training nur 800 bis 1000 Meter oder weniger laufe, lachen die mich fast aus. Aber das sind dann wirklich schnelle Läufe. Und man kann in den Laufpausen, die manchmal auch 15 Minuten dauern, mit den Trainingspartnern über alles Mögliche diskutieren und das macht das ganze Training lockerer.
Sprint bedeutet für mich mental höchste Konzentration - ich habe noch nie einen Start bei wichtigen Veranstaltungen versemmelt - und gleichzeitig absolute Lockerheit. Das habe ich von meinen schwarzen Sprintkonkurrenten gelernt. Nur so kann man schnell laufen!


Welches waren Ihr bislang größter Erfolg und Ihr schönster Wettkampf?
Das war vielleicht die Hallen-Weltmeisterschaft in Linz/Österreich mit Gold über 4 x 200 Meter in Europarekordzeit und super 7,47 Sekunden über 60 Meter. Oder einem Guido Müller, der zweimal Weltsportler des Jahres war, den deutschen Rekord über 200 Meter wegzuschnappen. Oder die vier Silbermedaillen bei den World Masters Games im vergangenen Jahr in Sydney.
Der schönste Wettkampf? Das ist schwer zu sagen. Die schönsten Wettkämpfe waren die, wenn wir als größeres Team irgendwo hingefahren sind. Die Hallen-Europameisterschaft in Stockholm z.B., da waren wir mit acht Leuten und alle haben auf dem Treppchen gestanden.


Wie viele Titel und Medaillen international und auf Bundes- und Landesebene haben Sie bereits gewonnen?
International über 30 Medaillen. Bundes- und Landesebene habe ich nicht gezählt, aber ich habe schon in der Halle alle drei Sprintstrecken und auch im Freien alles gewonnen, das heißt sechs Landes- und sechs DM-Titel in einem Jahr.

Wie lange wollen Sie noch laufen?
Bis es nicht mehr nach Sprint aussieht und so lange es mit der Gesundheit klappt.

Was machen Sie beruflich und gibt es für Sie noch andere(n) Sport/Hobbys außer der Leichtathletik?
Da ich fast den ganzen Tag am Schreibtisch sitze -Anlagenplanung bei der Firma Dürr in Bietigheim - ist das Laufen für mich die absolute Entspannung. Am Wochenende gehe ich gern angeln und im Winter auch mal Skifahren.

Die Fragen stellte Holger Schmidt

Foto
Reinhard Michelchen durfte im vergangenen Jahr über vier Silbermedaillen bei den World Masters Games in Sydney jubeln

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